Abschied nehmen und Neuanfang wagen

Mein momentaner Alltag? Neben meinem täglichen Job, der mich meist kaum durchatmen lässt, telefoniere ich mit Gas- und Stromanbieter, kümmere mich um Nachsendeanträge und Umzugskisten und verhandele über den Einzugstermin und künftige Nachmieter. Kurzum: Das Umzugschaos hat mich vollkommen im Griff. Deshalb ist es hier gerade so ruhig.

Schon drei Sekunden nach unserer überschwänglichen Euphorie, unsere Traumwohnung gefunden zu haben (ich zumindest wusste es in der ersten Sekunde) fing mein Organisationswahn an zu rattern. Ich erstellte Excel-Listen und teilte alle To Do’s mit ihren Prioritäten ein, dem jeweiligen Status, dem Verantwortlichen und Farben für jedes Stadium. Ein gefundenes Fressen für ein To Do Listen Junkie wie mich. Akribisch erledigte ich Aufgabe für Aufgabe in Windeseile. Gibt es doch kaum etwas Befriedigenderes für mich, als rote To Do’s in grüne zu verwandeln.
Wobei anfängliche Organisationen doch leichter von der Hand gingen als die späteren. Und immer die Ungewissheit im Raum schwebte, ob wir schon zu August einen Nachmieter finden und somit einen Monat doppelter Miete sparen würde. Ein Damokles-Schwert über mir. Schon seit zwei Wochen kann ich nur schlecht schlafen und mich einfach nicht entspannen. Es kribbelte in mir, endlich Kisten zu packen, was plötzlicher Besuch leicht erschwerte bis unmöglich machte. Nun nach einer Woche voller Kisten packens und drei Tage vorm Umzug verstehe ich langsam, warum mein Mann gegen zu frühes Packen war. Ich sitze inmitten von Kisten und habe natürlich immer die Sachen gerade eingepackt, die ich wenige Stunden später schon wieder suche und brauche. Kaum noch Geschirr ist in unserer Küche, ich stolpere mindestens zweimal pro Tag über irgendwelche Kisten und erleide einen Staub-Allergie-Anfall nach dem nächsten. Viele Müllkisten vollen ausgemisteten Krams machen mich wiederum mächtig stolz. Ausmisten, wegschmeißen, sich von Unnötigem trennen hat etwas wahnsinnig Befreiendes für mich.
Und während ich Erinnerungsstück um Erinnerungsstück in Kisten verfrachtete, kamen so viele Momente der letzten fünf Jahre wieder hoch. Wir haben so viele Sachen in diesen 69 Quadratmetern erlebt. Eine aufregende Einweihungsparty, die vielleicht etwas aus dem Ruder lief. Viele Koch- und Backabende, Filmmomente noch und nöcher. Hier wurden wir eine richtige Familie, planten unsere Hochzeit. Ein toller Rückzugsort, der immer wieder offen für Familie und Freunde war. Ein geselliger Mittelpunkt unseres Lebens, den ich nicht missen mag. Hier haben wir gelernt, zusammenzuleben und die Macken des Anderen schätzen oder zumindest akzeptieren zu lernens. War es der Stress der letzten Wochen oder wirklich Nostalgie, aber am letzten Wochenende schossen mir ständig die Tränen in die Augen. So sehr ich die letzten zwei Jahre dafür gekämpft haben, die Bereitschaft für eine größere und eben auch teurere Wohnung mit meinen Wunschmerkmalen zu wecken, so traurig bin ich trotzdem über unseren Auszug. Natürlich weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war und ich freue mich riesig darauf, die neue Wohnung einzurichten und einfach nach der Arbeit auf dem Balkon zu entspannen. Und doch weiß ich, was ich unserer ersten gemeinsamen Wohnung zu verdanken habe.
Für den Blog hat die neue Wohnung etwas Gutes: Eine riesige Küche, die es mir endlich erlaubt, bessere Koch- und Backfotos zu schießen. Und wenn ich erst mal keine doppelten Mieten, Kautionen oder Geld für Möbel und Umzugsmaßnahmen ausgeben muss, freue ich mich, mir mal wieder das ein oder andere Kleidungsstück zu gönnen und hier auch zu präsentieren. In der Hoffnung, bald endlich wieder mehr Zeit für mein kleines Baby zu haben, meinen Blog. Packen wir’s!

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s