Experiment: Food Assembly

food_assembly_2Nein, keine Sorge: Das hier ist das erste und vorerst letzte Bild, auf dem Fleisch abgebildet ist. Der Grund? Viel spricht, liest und hört man gerade in allen Medien zum Thema Nachhaltigkeit. Ob es die Mobilität betrifft, die Kleidungswahl oder den Gang zum Supermarkt. Auch ich beschäftige mich seit Längerem damit, lese Artikel, schaue Videos, denke über mein eigenes Verhalten nach.

Mobilität fällt für mich weg. Ich bin Verfechterin von öffentlichen Verkehrsmitteln und nutze diese täglich hier in Hamburg. Klar, ich weiß, ich habe Privilegien in einer Großstadt zu wohnen und damit infrastrukturell bestens angebunden zu sein. Selbst besitze ich kein Auto, nutze ab und zu Carsharing Angebote. Allerdings wohne ich so zentral, dass der Gang zur U-Bahn meist schneller geht. Viel lieber nutze ich Bikesharing Angebote und radele durch den Sommer. Kleidung lasse ich vorerst auch noch außen vor. Ich beschränke mich zwar und hinterfrage jeden Kauf mehrfach ob dessen Sinnhaftig- und Notwendigkeit. Aber bisher kann ich mich noch nicht dazu zwingen, ausschließlich bei nachhaltigen Labels einzukaufen. Dazu bedürfte es eines eigenen Themenblocks hier. Momentan befinde ich mich noch in der Recherchephase und hangele mich durch den Dschungel an Siegeln, Meinungen und Angeboten.

Was mir hier viel wichtiger ist: der nachhaltige Einkauf von Lebensmitteln. Man liest viel über Bio, sieht viele Siegel, weiß aber trotzdem nicht, was am besten für Umwelt, den Erzeuger und meinen Geldbeutel ist. Das, was ich weiß: Ich möchte möglichst wenig wegschmeißen müssen. Gar nicht so einfach, wenn man nicht jeden Abend zu Hause ist und sich auch spontan zu Ausflügen entscheidet. Dann bleibt der heimische Kühlschrank immer noch gefüllt, die Lebensmittel sind natürlich aber nicht ewiglang haltbar. Das ist in meinen Augen schon die erste große Herausforderung: Eine geschickte Planung, um weder hungrig ins Bett zu gehen noch den halben Kühlschrankinhalt im Mülleimer zu verstauen. Inzwischen bin ich sehr gut in vorausschauendem Essen und Restverwertung geworden – ein kleines Erbe meiner Großeltern, die praktisch für jedes Lebensmittel eine Verwendung finden. Und wenn sie es einfrieren müssen. Trotzdem gilt nach wie vor die Frage, zu welcher Milch ich im Kühlregal greifen möchte, welcher Käse der Beste ist und welches Fleisch von wirklich glücklichen Kühen kommt. Gar nicht so einfach bei der riesigen Auswahl in meinem Supermarkt. Ich kenne ja nicht die Produzenten, die dahinter stehen. Weiß nicht, wie viel von meinem Einkauf auf deren Konto landet. Wie deren Tiere so leben.

Da kommt die Organisation Food Assembly ins Spiel. In Frankreich gegründet gibt es die Initiative jetzt auch in einigen deutschen Städten. Gekommen bin ich auf sie durch zwei ehemalige Schulkameradinnen, die die Aktion in meiner Heimat Dresden starteten. Was ich so mitbekommen habe, ziemlich erfolgreich. Also googelte ich Food Assembly und fand auch eine in Hamburg. Der Grundgedanke? Erzeuger und Endverbraucher in Kontakt miteinander bringen. Man gibt online seine Stadt ein, sieht dann die verfügbaren Erzeuger und legt wie in einem normalen Onlineshop die gewünschten Artikel in den Warenkorb und bezahlt. Einmal pro Woche kommen die Erzeuger in die jeweilige Stadt, in meinem Fall in die Fabrik in Hamburg-Altona und verteilen die bestellte Ware. Bewaffnet mit einem Lieferschein sucht man sie auf, kommt ins Gespräch und holt sich seine leckeren Lebensmittel ab. Durch die Vorab-Orders haben die Erzeuger Planungssicherheit und bringen genau die Menge mit, die nachgefragt wird. Das vermeidet unnötige Lebensmittel, die nur vergammeln würden. Einziges Manko: In meinem Fall war die Nachfrage so gering, dass nur ein Erzeuger kam – man wird ordnungsgemäß einen Tag vorher darüber informiert – und ich nicht meine gesamte Wunschware erhielt. Die Erstattung lief unkompliziert und schnell, keine Frage. Nur ein wenig enttäuscht war ich. Gerade wenn man seinen Essensplan aufstellt und dann nicht alles bekommt, ärgert das ein wenig. Aber natürlich weiß ich, dass die Initiative noch in den Kinderschuhen steckt und gerade deswegen Unterstützung verdient. Nur durch rege Teilnahme und Mundpropaganda kann sie wachsen und auch für alle angemeldeten Erzeuger die nötige Nachfrage generieren. Genau das wünsche ich mir für Food Assembly. Auch wenn ich dank des Wegs durch die halbe Stadt wohl nicht jede Woche den Weg auf mich nehmen kann und möchte. Da spielt mir meine Spontanität doch etwas zwischen die Ausgabezeit von 11 bis 13 Uhr. Für Bioneulinge sei gesagt: Den Lebensmitteln wurden keine Konservierungsstoffe zugefügt – deswegen haben sie ja auch eine solch hohe Qualität – weshalb sie schneller verderben. Gerade bei Milchprodukten ein wichtiger Punkt. Nichtsdestotrotz: Es hat sich wahnsinnig gut angefühlt, zu wissenn, woher mein Stück Fleisch, mein Joghurt und meine Milch kamen. Dass ich es nicht nur genießen konnte, sondern der Bauer dafür fair entlohnt wurde. Das Essen mehr zu schätzen zu wissen, das wünsche ich mir im nächsten Jahr von meinen Mitmenschen.

Hier findet Ihr mehr Informationen: https://foodassembly.de/de

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