Getting cozy in Advent

advent_1Wenn es etwas gibt, was ich momentan am aller-allerliebsten tue, dann ist es auf der Couch bei einer heißen Tasse Tee zu sitzen und es mir gemütlich zu machen. Eigentlich relativ untypisch für mich. Ich brauche es im Grunde herumzuwuseln und mich zu beschäftigen. Während andere gemütlich lesen oder Fußball schauen, muss ich einfach irgendwas tun und mich aktiv halten. Sonst werde ich schlichtweg zu hibbelig und kann nicht entspannen. Ob Kochen, Schreiben, Freunde treffen oder Sport, aktiv zu sein gehört zu mir. Eigentlich.

Momentan kann ich nicht schnell genug nach Hause kommen, eine Duftkerze oder wie jetzt Räucherkerzen anzünden und die Beine hochlegen. Liegt es am Winter da draußen und der gefühlten 24-stündigen Dunkelheit? Immerhin gehe ich im Dunkeln morgens aus dem Haus und komme abens im Dunkel zurück. Nein, irgendwie möchte ich mich von diesem Jahr erholen. Von all den Reisen, Ausflügen, Hin- und Herhetzen. Wozu ist der Advent denn da, wenn ihn nicht gemütlich mit lieben Menschen zu verbringen und das Jahr Revue passieren lassen? Und ein lieber Mensch kann manchmal auch nur man selbst sein. Seien wir ehrlich: Halten wir es nicht einmal ein paar Stunden mit uns allein in völliger Zufriedenheit aus, wer soll es dann tun? Hinter uns allen liegen womöglich 12 erreignisreiche Monate voller Hoffnungen, Ängste, Glück und Trauer. Warum nicht einmal innehalten und sich auch sich selbst besinnen? Wenn andere vielleicht im Januar neue Vorsätze fassen und reflektieren, mache ich es eben jetzt schon Ende November, Anfang Dezember. Manchmal scheint mir, als würden so viele Menschen diesen Gedanken vor lauter Konsum und heruntergekipptem Glühwein vergessen. Wobei ich nichts, aber auch rein gar nichts gegen Glühwein einzuwenden habe. Und stattdessen einer riesenlangen To-Do-Liste und Noch-Erreichen-Liste hinterherhetzen.

Ich bin aufgewachsen mit dem Gefühl, die Welt erobern zu können. Jede Tätigkeit auszuüben, die ich mir wünsche. Jedes Ziel zu erreichen, dass ich anstrebe. Und nun sitzen mir Menschen gegenüber, die diesen Idealen hinterherrennen, das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren, immer weiter weg wollen, immer weiter nach oben wollen, immer mehr wollen. Nicht ruhen, nicht rasten, nicht Innehalten. Dabei die schönen kleinen Momente verpassen. Das Licht auf dem Adventskranz übersehen, kein Leuchten mehr in den Augen wie früher.

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Subjektiv betrachtet war 2016 ein sehr entscheidendes Jahr. Ich habe das Gefühl, als gäbe es nur noch 2 Lager: Verheiratete Menschen und unverheiratete Menschen. Und natürlich Menschen mit Kindern, aber die sind mehr oder weniger der ersten Gruppe mit zuzuordnen. Egal wo ich hinkomme, spalten sich die Gruppen in zwei Lager. Dabei heißt es doch nicht, dass sich Pläne, Wünsche und Ansichten radikal ändern, sobald man verheiratet ist. Wo ist denn bitte die Leichtigkeit geblieben? Die, mit der wir Menschen nach Sympathien, gemeinsamen Interessen, gemeinsamen oder auch unterschiedlichen Standpunkten und dem Herzen beurteilen statt bloß nach Weiß und Schwarz. Gerade noch gestern gingen wir Hand in Hand durch den Frühling unserer Kindheit und sollen uns jetzt schon trennen? Das möchte ich nicht glauben und schon gar nicht realisieren. Fühlt man sich so ausgegrenzt, wenn man nicht verheiratet ist? Reden wir Verheiratete wirklich so häufig über unsere Ehen und Ehemänner, über rosarote Erlebnisse? Das möchte ich nicht. Egal in welcher Lebensphase: Die rosarote Brille ist eine Illusion und wohl eher ein Regenbogen an so unterschiedlichen Emotionen, ganz gleich ob verheiratet oder nicht. Und noch etwas aus der Klichéecke: Nur weil man verheiratet ist, heißt das noch lange nicht, dass sofort Kinder folgen müssen. Wöchentliche Nachfragen beschleunigen den Prozess sicher. Lasst uns doch bitte wieder auf den Boden zurückkehren und dem Gegenüber zuhören. Von einem Vorurteil ist noch keiner glücklich geworden.

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