Von der Rolle: Sushi selbst machen

 Ich kann mich noch haargenau an unser Erstes Mal erinnern. Unsere erste Begegnung. Ich saß mit meiner Schwester auf unserem Balkon. Wir hatten Sommerferien und die Sonne schien uns auf den Kopf. Ein herrlich warmer Tag, an dem wir keine Lust hatten zu kochen. Also nahmen wir tief gefrorenes Sushi aus dem Gefrierfach und beschlossen, dass dies der Tag sein sollte, an dem wir zum ersten Mal in unserem Leben Sushi essen werden. Irgendwas muss da doch dran sein, wenn die ganze Welt darüber redet!

Todesmutig nahmen wir einen Bissen, nur um angeekelt das Gesicht zu verziehen. Das soll wirklich schmecken? Davon schwärmt jetzt plötzlich Jeder in unserem Umfeld? Unmöglich, dass dies das gehypte Essen schlechthin sein soll! Diejenigen unter Euch, die jemals gefrostetes Sushi probiert haben, werden in diesem Moment wahrscheinlich verständnisvoll nicken und einen Schauer im Körper spüren ob der grauenhaften aufkeimenden Erinnerung. Wir gaben unser Sushi oder zumindest den Fischteil unserem Kater Anton, der es genüsslich verschlang. Wir selbst hingegen blieben hungrig.

Es mussten schon noch mehrere Jahre in Land gehen, als ich Ende März 2011, also vor fast genau fünf Jahren, in einer Outlet Mall unweit von Palm Springs – wieder mit meiner Schwester – das zweite Mal in meinem Leben Sushi probierte. Sichtlich skeptisch bewegte ich meine Stäbdchen vollkommen amateurhaft gen Maki, nahm es in den Mund – und. – fand das Zeug tatsächlich lecker! Man muss also nur qualitätsvolles Sushi kaufen, um einen Genuss auf der Zunge zu spüren! Eine der endlosen Lektionen, die ich zwischen Palm Springs, San Diego, zwischen Hollywood und Blizzard in Minnesota gelernt habe.

Seitdem verspüre ich hin und wieder einen Yieper auf die kleinen Röllchen aus Japan. Selbst machen kam bisher nur ein Mal mit Freundinnen für mich in frage. Aber was ein Foodjunkie ist, möchte natürlich so viel wie möglich ausprobieren. Dachte sich wohl auch mein Mister, als mir zu Weihnachten einen Gutschein für einen Sushi Kurs schenkte. Die Einlösung dauerte dank unbeantworteter E-Mails seitens Sushi Circle und anfangs nicht zu erreichender Telefonnummer vier Monate. Großer Dank noch einmal an Jochen Schweizer, die immer wieder beharrlich Kontakt zum Anbieter aufnahmen, damit ich auch wirklich in den Genuss der Einlösung komme.

Nun gut, ich bin nicht nachtragend und vielleicht hatte die Kette organisatorische Probleme (wobei ich mich schon frage, wie man wochenlang teleofonisch nicht erreichbar sein kann), sodass ich trotzdem voller Vorfreude meinem Kurs entgegenblickte. Eine sehr freundliche und niedliche Japanerin begrüßte mich leicht aufgeregt. Sie nahm mir damit jegliche Aufregung. So schlimm und schwer kann das Einrollen von Reis und Fisch schon nicht sein! Mit acht anderen Mitstreitern machten wir uns an Filettieren von Avocados, Einpacken der Bambusmatten in Frischhaltefolie und schließlich dem Zubereiten von Makis und Inside Out Rollen. Eine Lektion, die ich schon vielfach gelernt habe, hat sich auch hier bewahrheitet: Es kommt beim Kochen vor allem auf die Qualität und Zubereitung der einzelnen Zutaten an. Das beste Sushi wird nur mit wirklichen Klebereis, Sushiessig und wirklich hochwertigem Fisch erzeugt. Darüber hinaus trägt auch das akkurat geformte Gemüse einen entscheidenen Teil zum Erfolg bei. Ist der Reis zu locker und klebt nicht, hält auch die beste Sushi Rolle nichts. Ist der Gemüse zu groß, quillt es raus. Ist es zu klein, schmeckt man nichts außer Reis. Es war wirklich herrlich, der Sushimeisterin bei ihren kleinen Tipps zuzuhören. Sie glaubte tatsächlich daran, dass wir mit viel Übung Meister werden könnten. Währenddessen aß ich schnell einige Avocadoreste, die aus meinen Makis herausquollen. Mit diesem Selbstbewusstsein gestärkt gelangen mir die Inside Out Rollen spielend. Bei den Nigiris schließlich konnte ich mich sogar kreativ betätigen und dekorierte sie liebevoll.

Wer Sushi liebt, sollte unbedingt einmal selbst probieren, es zu fabrizieren. Es macht Spaß, man weiß zu 100 Prozent, was drin ist und leckerer ist es  obendrein, selbst Zubereitetes zu essen. Einziges Manko: Ich bereitete fast ausschließlich Sushi mit Fisch, sodass das Teilen zu Hause dank meines vegetarischen Freundes ausfiel. Stattdessen aß ich Sonntag und Montag nahezu durchgängig Sushi in Massen, bis es mir zu den Ohren herausquoll. Ja, die nächsten Tage greife ich wohl eher zu Pasta, Gemüse und Flammkuchen. Gelohnt hat es sich aber definitiv!

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