I’m a woman – und das ist gut so

womanAls ich noch ein kleines Mädchen war, gaben mir meine Eltern jeden Tag mit auf den Weg, dass ich später alles werden kann, was ich möchte. Ärztin, Lehrerin – völlig egal was, Hauptsache es macht mir Spaß und ich bin gut darin.

Gleichzeitig vermittelten sie mir alle möglichen Schwierigkeiten. Man wird nicht die Beste über Nacht, sondern durch Lernen, Ausprobieren, Sich Verbessern Wollen. Die Möglichkeiten fliegen mir wahrscheinlich im Leben nicht auf Wolken entgegen (bei unserem Familiennamen schon mal gar nicht, das ist wie ein Gesetz). Für manche Gebiete sollte ich Talente besitzen und entdecken, andere Sachen hingegen kann ich schlichtweg nicht. Ist ja menschlich, wer kann sich schon wirklich auf allen Gebieten dieser Welt behaupten? Wenn man wirklich ehrlich zu sich selbst ist!

So hielt ich vor meinen Puppen und Stofftieren Unterrichtsstunden ab, schnitt einer Puppe während einer Notoperation einen Zeh ab (auch Operieren will gelernt sein) und fing später an, meine Gedanken und Gefühle niederzuschreiben . Lernte ein Musikinstrument, sog jedes Buch in mich auf, das ich in die Finger bekam – und lernte nebenbei das Fernsehprogramm auswendig. Nicht alles diente der beruflichen Orientierung. Aber jedes einzelne Erlebnis prägte meine persönliche Entwicklung und war deswegen genau richtig.

Jetzt als Erwachsene und Mid Twenties Frau merke ich erst, wie wichtig all meine Erfahrungen wirklich waren und sind. Vielleicht findet Ihr nicht gleich Euren Traumjob nach Eurem Studium. Vielleicht orientiert Ihr Euch noch mal in eine ganze andere Richtung – so what! Wer muss schon mit Mitte Zwanzig wissen, was das Leben in zwanzig Jahren für Einen bereithält? Ich kann nicht in die Zukunft schauen – Ihr etwa? Die Gegenwart ist doch so viel wichtiger! Hätte man mir vor sieben Jahren erzählt, was HTML Code bedeutet, SEO, SEA und Shoprubriken bedeuten, ich wäre wütend davon gestampft. Etwas nicht zu wissen und zu erfassen macht mich nämlich wahnsinnig!

Doch eins möchte nicht in meinen Kopf: Meine Eltern meinten, ich könnte alles werden. Aber heißt das auch Mutter und Karrierfrau in Einem? Ich bin mit einem solchen Modell aufgewachsen und habe erst begriffen, dass es vielen in anderen Teilen Deutschlands anders ging, als ich nach Hamburg zog. Eine Mutter, die arbeiten geht? Was für eine Rabenmutter! Warum nehmen gefühlt alle anderen Europäer dieses Modell als ganz selbstverständlich an, während man in Deutschland schief angesehen wird? Warum soll ich mich nicht mehr selbst entwickeln können, wenn man Kind auf der Welt ist? Wer ganz in der Mutterrolle aufgeht und keinen Sinn darin sieht, weiter zu arbeiten, kein Problem, bleibt zu Hause! Es ist doch wunderschön, sich um Nachwuchs zu kümmern. Wer allerdings nach der Kindererziehung nicht von vorn anfangen möchte im Job, warum sollte sie gezwungen sein zu Hause zu bleiben?

Doch anscheinend, so ist mir zumindest zu Ohren gekommen, möchten viele Unternehmen Frauen ab Ende 20 nicht mehr einstellen. Gut ausgebildet, exzellente Abschlussnote, Praktika und erste Berufserfahrung. Aber unser Alter impliziert wohl für einige gleich das Stigma „Denkt aktiv über Kinderplanung nach“, weshalb man sofort auf den Bewerbungsstapel „Ablage P“ gestapelt wird. Natürlich ist dies überspitzt, aber ein Fünkchen Wahrheit scheint schon daran zu sein. Eine Frau, die nur fünf Stunden geschlafen hat, weil das Kleine gerade zahnt, erscheint trotzdem jeden Morgen um 8 Uhr im Büro. Arbeitet Vollzeit, konzentriert sich pausenlos und liefert gute Arbeit ab. Also ehrlich, wer dieses Pensum schafft, kann es mit jedem männlichen Wesen aufnehmen! Einer Dreifachbelastung standzuhalten und trotzdem alles on time abzuliefern, wohlgemerkt mit ausgezeichneter Qualität: Welcher Arbeitgeber wünscht sich das denn nicht? Auch wenn ich nichts davon halte, nur im Chefsessel oder Aufsichtsrat dank meines zweiten X-Chromosoms zu sitzen, sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn man uns Frauen nicht für höhere Positionen einstellt, befördert oder gar erst mal einstellt, nur weil wir vielleicht Kinder möchten oder bereits welche zu Hause haben. Dieser steinzeitliche Gedanke will sich mir einfach nicht erschließen. Welcher Chef fragt seinen männlichen Angestellten denn, ob er sich Kinder wünscht? Jawohl, auch Männer bekommen Kinder (auch wenn die Hauptarbeit der Geburt an uns Frauen hängenbleibt), möchten sich heutzutage auch darum kümmern, mit auf dem Spielplatz spielen, Windeln wechseln und Gutenachtgeschichten vorlesen. Auch Väter haben mit der Doppel- oder Dreifachbelastung zu kämpfen. Auch Väter kommen müde zur Arbeit, weil ihr Kinder nachts mit Fieber im Bett geschrien haben. Auch Väter liefern deshalb trotzdem gute Arbeit ab. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass es im Arbeitsalltag keine Rolle zu spielen scheint, ob man sich als Mann Kinder wünscht oder nicht. Bei Frauen jedoch eine große.

Also geht doch mal bitte in Euch und entscheidet im Job danach, ob man gute Arbeit abliefert, sozial kompatibel und belastbar ist. Gerade Mütter sind übrigens Mehrfachbelastungen gewohnt und arbeiten viel effizienter. Trotz oder gerade wegen Kinder. Und wer als Arbeitgeber nur an Umsatz, effiziente Arbeitsgestaltung und nicht existierende Kranktage denkt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

In diesem Sinn: Happy Women’s Day!

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