Schneeflöckchen, wohin fliegst Du geschwind?

schneefloeckchenBrust raus, Bauch rein. Blick geradeaus, fokussiert und konzentriert. Immer nach vorn blicken, nie zurück. Gerade zu Jahresbeginn schärfen sich das viele ein.

Und dann kehrt sie für eine winzig kurze Zeit zurück. Zurück in ihr altes Wohnviertel, das sie zwei Jahre lang mehr oder weniger ihr Zuhause nannte. Als sie eintrifft, ist es finstere Nacht, bitterkalt. Es schneit friedlich, so friedlich hat sie ihr altes Viertel selten gesehen. Vielleicht ist es der friedliche Schnee, vielleicht pure Nostalgie, die sie sich sofort zu Hause fühlen lassen. So schlimm war es doch gar nicht, denkt sie sich. Eigentlich sogar ganz schön. Eine kurze Stippvisite in ihrer alten Wohnung und ein richtiges Angekommen-Gefühl beschleicht sie. Dieses so eigenartige Empfinden, dass sie bisher nicht von diesem Ort kannte, wird nur dadurch gedämpft, dass trotz der Flocken vor dem Fenster die Gegend doch die gleiche geblieben ist. Die, in der sie sich nachts allein nie sicher gefühlt hat. Die Gegend, in der Nachbarn mehr als Störenfriede denn als hilfsbereite Gesellen gesehen werden konnten. Trotz alledem überlegt sie für einen winzig kleinen Augenblick, warum sie nur jemals weggezogen ist.

Was von den Erinnerungen ist Verteufelei, was unberechtigte Glorifizierung, was entspricht den Tatsachen? Mit Erinnerungen ist das so eine Sache, Eins verschwimmt mit dem Anderen. Was tatsächlich passiert ist, darüber hat wohl Jeder seine eigenen Ansichten. Man sagt, die schlechten Erinnerungen verblassen zuerst, tranformieren sich regelrecht zu positiveren Erlebnissen. Vielleicht war dies bei ihr der Fall. Es brauchte ein paar Momente und die Heimfahrt in die City, um ihr begreiflich zu machen, dass dort gewiss nicht alles besser war. Aus gutem Grund war sie damals von dort weggezogen.

Doch auch wenn, wir uns gegenseitig ständig sagen, den Blick nicht auf die Vergangenheit zu richten, so haben uns all diese Erlebnisse, Erfahrungen und Erinnerungen zu der Person gemacht, die wir heute sind. Und häufigt genügt ein kurzer Blick in die Vergangenheit, um Kraft zu sammeln und den Blick in die eigene Zukunft zu stärken. Sich selbst klarzumachen, was man wirklich möchte. So schön und unschuldig es sein mag, die ersten Spuren im Schnee zu hinterlassen, so viele Spuren haben wir schon in den vergangenen Wintern hinterlassen, als dass sie wir sie ignorieren sollten. Wer möchte schon nur eine einzige Fußsohle im Schnee seines Lebens hinterlassen?

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