Zwischen Wärme und Kälte

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Leute sprengen sich in die Luft, um möglichst viele Menschen, sogenannte Erzfeinde, mit ihnen in den Tod zu nehmen. Andere schießen Menschen barbarisch jenseits jeder Menschlichkeit tot, allein aus Hass auf deren Lebensweise. Diese Menschen sind sich nie persönlich begegnet. Sie haben vielleicht über den Anderen in den Medien gehört und gelesen, nicht über diese spezifische Person, wohl aber über deren „Menschenschlag“, deren Gesinnung, deren Weltanschauung.

Während dies alles passiert, schauen wir gebannt zu, verfolgen das Geschehen auf den Fernsehbildschirmen. Ohnmächtig, wegzuschalten, schockiert, traurig, angeekelt, wütend, fassungslos. Keiner mag das eben Gesehene und Gehörte zu begreifen. Wie auch, frage ich mich? Was befähigt eine Gruppe von Menschen, andere Zivilisten umzubringen, einzig aus dem Grund, dass sie Vertreter einer ganz bestimmten, ihnen verhassten Menschengruppe sind?

Ich frage mich die ganze Woche, was bitte in die Menschheit gefahren ist? In Liedern, Büchern und Filmen predigen wir Tag für Tag, dass alle Menschen gleich sind, abseits von Religion, Hautfarbe und Geschlecht. Trotzdem scheinen einige Menschen gleicher zu sein, anders kann ich es mir nicht erklären, dass in der Realität nichts mehr von Gleichheit zu spüren ist, wenn sich Völker bekriegen und selbst die Trauer der vergangenen Woche Gegenstand offener heftiger Auseinandersetzungen in den Sozialen Medien ist. Die gesamte Metadiskussion um Trauer oder nicht, Leben oder leben lassen, lässt die eigentlichen Geschehnisse völlig in den Hintergrund rücken. Warum nicht einmal die Anderen machen lassen so wie sie es für richtig sehen? Alle Konflikte sind ergreifend, machen wütend und traurig zu gleich – egal ob in Paris, dem Libanon, Afghanistan oder zu Hause. Ob ich über alles und jeden dieser Auseinandersetzungen meinen Kummer kund tun muss ohne vorher gefragt zu werden? Ich vielleicht nicht, andere vielleicht schon. Jeder geht mit seinen Emotionen anders um, das ist doch auch gut so. Warum sollte ich meine Herangehensweise als Maßstab für die gesamte Menschheit an- und auch durchsetzen? Hat nicht alles irgendwo seinen Sinn? Wann hören wir, uns nur um uns selbst zu kreisen statt den Nächsten offen in die Augen zu sehen?

Auch abseits des großen Weltgeschehens war ich mal stiller Beobachter, mal geduldiger Zuhörer, mal anlehende Schulter und mal mitfühlender Verfechter von kleinen und großen persönlichen Krisen in meinem Umfeld. Habe mich mal innerlich gefreut, mal wahnsinnig geschämt ob meines eigentlich doch so harmonischen Lebens. Darf man glücklich sein, darf man sich trotzdem über seine wahrscheinlich banalen Problemchen ärgern und auch mal eine Träne vergießen?

Auf all diese Fragen habe ich bisher keine Antwort gefunden. Stattdessen tanzen seit heute Morgen friedliche kleine Schneeflöckchen durch die Luft vor unserem Haus. Und geben mir das Gefühl, dass es nicht so schlimm sein kann, das Leben um uns herum. Vielleicht ein kleiner Anlass auch für andere, kurz innezuhalten und zur Ruhe zu kommen?

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