Durch den Regen tanzen

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Schwüle heiße Luft legt sich bedrohlich auf unsere Haut. Lässt sie beben, vibrieren und bei jeder minimalen Bewegung sofort transpirieren. Der einzige Wunsch, der in unseren Köpfen derzeit spukt, ist Regen. Lang, viel, ausgiebig und ordentlich abkühlend. Und sofort bitte!

Eine schlaflose Nacht (danke an die schwüle Hitze auch weit nach Mitternacht) später sitzen wir gemütlich beim Frühstück im Garten, als wir plötzlich langsam, ganz sanft, einen Tropfen auf unserer Haut spüren. Aus einem Tropfen werden zwei und binnen von Minuten ganze Sturzbäche. Ehe wir nachdenken und ausweichen können, sind wir bis auf die Haut durchgeweicht. Unserer einziger Gedanke nun: Warum in aller Welt konnten wir uns nur Regen wünschen? Oder hätte der Regen nicht wenigstens warten können, bis wir wieder im Haus sind? Dann sehen wir uns tief in die Augen, müssen lauthals lachen und räumen gut gelaunt den Tisch ab, nur um im nächsten Moment lachend durch den Regen zu tanzen.

Eine komische Geschichte! Und was bitte soll sie uns schon sagen? Wir bekommen nicht immer das, was wir uns genau wünschen. Nicht zum gewünschten Zeitpunkt, zum gewünschten Ort. Manchmal in ganz anderer Gestalt und von einem völlig anderen Menschen. Kleine Träume aber lauern in jedem Regentropfen, in jedem Schweißtropfen, in jedem Sonnenstrahl.

Seit acht Wochen etwa hat sich etwas verändert. Irgendetwas. Das Chaos, der wirbelige Alltag mit all seinen Kurven, Höhen und Tiefen umgibt mich genauso wie vorher. Meine Einstellung dazu hat sich aber instinktiv verändert. Ich weiß nicht seit wann, ich weiß nicht warum. Ich weiß nur, dass. Ein Gefühl der tiefen Entspannung, der Ruhe und Zufriedenheit breitete sich plötzlich in mir aus. Vielleicht spricht die letzte Urlaubsentspannung aus mir? Jene, die ich an meinem zweiten Arbeitstag nach dem Urlaub bereits glaubte, im Flugzeug verloren zu haben? Vielleicht freue ich mich so sehr für meine beiden Freundinnen, die sich in diesem Sommer getraut und ja gesagt haben? Vor allem, als ich meine beste Freundin am Altar als Trauzeugin beistand, umgab mich ein unglaublich wohliges, glückliches Gefühl. Was gibt es Schöneres, als seiner besten Freundin dabei zuzusehen, wie sie heiratet, mit der Sonne um die Wette strahlt und wie der glücklichste Mensch auf Erden scheint? Wenn ich sehe, wie grandios sie sich entwickelt hat und ich seit nunmehr acht Jahren ihren Weg mitgehen kann. Ich kann es nicht richtig neutral erklären, auch wenn ich es mit diesem Text hier ernsthaft versuche. Doch die allerwichtigsten, elementarsten Dinge im Leben kann man nicht erklären, man fühlt sie schlichtweg. Was ich fühle? Glück, Zufriedenheit, Geborgenheit, Angekommensein. Glück, die wunderbarsten Menschen um sich zu haben. Glück, die besten Eltern der Welt zu haben, die ich zwar meistens physisch um mich habe, dafür aber jeden Moment in meinem Herzen. Das Glück, durch den Regen tanzen zu dürfen – nur um dann mit einem schützenden Handtuch in Empfang genommen zu werden.

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