Merci. Thank you. Danke.  

Merci
Danke. So ein kurzes Wort – aber mit einer großen Wirkung. Eine Wirkung, die auf den Gegenüber oft viel gewaltiger wirkt, als wir uns vorstellen können, wenn wir dieses kleine Wörtchen aussprechen.

Vielleicht ist es ja diese oft unterschätzte Wirkung, die es uns vergessen lässt, Danke auszusprechen. Nicht einmal eine Sekunde wird benötigt, um es jemandem zu widmen, und doch – so scheint es zumindest für mich – kommt es immer mehr Menschen immer weniger über die Lippen. Und verkommt zu einem lästigen Füllwort. Uns wird morgens im Berufsverkehr in der überfüllten U-Bahn Platz gemacht, um aussteigen zu können. Eine freundliche Geste, die häufig ohne Danke entgegen genommen wird. Der Mitarbeiter im Coffee Shop nebenan reicht einem den frisch gebrühten Soja Caffè Latte. Wir nehmen davon Kenntnis, greifen schnell nach dem To Go Becher und verlassen hastig den Laden. Die nächste Bahn muss erreicht werden, wir haben es eilig. Wie immer. Keine Zeit für ein Danke. Ein lieber Kollege kocht für uns morgens schon Kaffee, weil er genau weiß, dass wir ohne einen Becher frisch gebrühter Arabica-Bohnen weder zu Konversation noch zu produktiver Arbeit im Stande sind. Es ist normal für uns, also nehmen uns einen Becher und starten unseren PC.

Was normal, alltägtlich scheint, das bedarf keiner Dankbarkeit. Es ist doch sowieso da. Warum sollten wir uns da noch die Mühe machen, ein Lächeln aufsetzen und unserem Gegenüber unsere Wertschätzung ausdrücken? Er macht es doch so oder so.

Das stimmt so nicht! Auch wenn der Coffee Shop Mitarbeiter dafür bezahlt wird, Kaffee zuzubereiten, gibt er Tag für Tag sein Bestes, um jeden Kunden zufrieden zu stellen. Die Person neben Euch in der U-Bahn muss nicht unbedingt Platz machen, es gibt kein Gesetz, dass sie dazu verpflichtet. Aber sie ist nett und möchte, dass Ihr problemlos aussteigen könnt. Ohne Gerangel, ohne Streitigkeiten. Der Berufsverkehr nervt so schon genügend. Und Euer Kollege hat so viel Feingefühl, dass er merkt, wie viel besser es Euch nach dem ersten Kaffee des Tages geht. All diese Menschen sind schlicht und einfach nett, freundlich. Viel freundlicher und netter, als es all jene Menschen verdient haben, die diese Gesten Tag für Tag für selbstverständlich nehmen. Selbstverständlich davon Gebrauch machen, ohne diese Gesten wertzuschätzen. Es bedarf nur dieses kleinen Wörtchens Danke, um diese Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Und schon sind alle ein bisschen glücklicher und wissen, dass sich dieses Verhalten lohnt. Das nennt sich Mitgefühl, zwischenmenschliches, soziales Verhalten. Behandle andere nett und du wirst nett behandelt.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen. Mein Dank geht an all die Umarmungen, ermahnende, tröstende und ermutigende Worte meiner Eltern an mein pubertäres Ich. Deren Bereitschaft, auch die weite Strecke von 500 Kilometer in Kauf zu nehmen, nur um Dübel in meine Wand zu platzieren.

Merci an all die Puddingsuppen, Obstschnitze und Schokolade, die mir meine Oma serviert hat, wenn ich mal wieder krank auf ihrem Sofa lag. All die privaten Taxifahrten meines Opas von und zur Schule, von und zum Arzt und sowieso von jeglichem A nach jeglichem B.

Danke an all die unvergesslichen Skypemomente mit meiner Schwester, die die vielen tausend Kilometer, die uns trennten, erträglich gemacht haben. Nichts zu vergessen all die Whatsapp-Nachrichten und real-Life Momente.

Merci an all meine Freunde, die stets ein offenes Ohr haben. Oder auch nur ein volles Cocktailglas, wenn gar nichts Anderes mehr hilft.

Danke auch an einen anderen ganz bestimmten Menschen (wenn er das hier lesen sollte), der mich wieder auf den Boden der Tatsachen holt, wenn ich nur noch mit Küchenutensilien oder Putzsachen um mich werfe, weil nichts mehr funktionieren möchte. Oder mich sicher nach Hause bringt, wenn ich ein Glas zu viel hatte.

Seht Ihr, es ist viel einfacher als Ihr denkt, danke zu sagen! Und dabei ist die Wirkung mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen. Nehmt das doch als Anlass all den Menschen, mit denen ihr tagtäglich Kontakt habt, einfach mal Danke zu sagen! All jene, die Euch morgens das Frühstück auf den Tisch stellen, Euch die Wohnung putzen. Nachts auch noch auf total betrunkene Whatsapp Nachrichten Eurerseits antworten. Euch Mut machen, an Eure Träume zu glauben. Oder einfach nur dem lieben Kollegen, der Euch jeden Morgen Kaffee kocht oder Euch mal wieder mit einem Kaffepad aushilft. Es tut nicht weh, kostet nur einen Augenblick, dafür lohnt es sich und macht so vieles im Alltag so viel einfacher! Lasst uns das kleine Wörtchen danke vom lästigen Füllwort zum wichtigen zwischenmenschlichem Partikel befördern (das es laut Duden bereits ist) – und Entschuldigung gleich dazu!

Danke. Merci. Thank you.

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