Das ist doch krank?

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Eine junge Frau, ungefähr in meinem Alter, mitten im Leben und die das auch jede Sekunde genießt. Sich freut, ausgeht, Spaß hat. Und plötzlich die Diagnose: Krebs! Alles ändert sich, von jetzt auf gleich steht die Welt Kopf und vor allem still. Wie geht es weiter? Welche Behandlung kommt infrage? Wie hoch sind die Heilungs-, wie hoch die Überlebenschancen?

Schnell nimmt sie den Kampf mit ihren Tumorzellen auf. Kämpft um ihr Leben. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Und findet ihren ganz eigenen Weg mit ihrer Krankheit umzugehen: Sie kauft sich Perücken, wechselt sie täglich. Gibt sich andere Namen und verkörpert so jeden Tag eine andere Person, je nach Anlass und Gefühlslage. Tough und kämpferisch, lebensfroh, verrückt, zerbrechlich. Es gibt nur einen Weg: Die Krankheit muss besiegt werden – und ihre gesamte Familie krempelt ihr Leben so um, dass sich jeder aufopferungsvoll um sie kümmern und sie in ihrem Kampf so gut es geht unterstützen kann…

Einige von Euch haben es vielleicht schon erkannt: Ich spreche von „Heute bin ich blond“, dem Bestseller von Sophie van der Stap, der bereits verfilmt wurde. Letztes Wochenende schaute ich ihn mir an, nachdem ich durch ein Theaterstück darauf aufmerksam wurde. Zum Glück kannte ich bereits im Voraus das Ende, sonst wären meine Emotionen, Ängste und Mitgefühl vor allem, wahrscheinlich noch heftiger ausgefallen. Im Gegensatz zu Horrorfilmen oder Serien wie Game of Thrones, die auch mitunter heftig und grausam sein können, ging mir „Heute bin ich blond“ noch mehr unter die Haut. Zu realistisch, zu authentisch war der Stoff in meinen Augen.

Mir scheint, in unserer leistungsbezogenen Gesellschaft, die uns in den Medien ständig hübsche, junge, dünne, gesunde Menschen präsentiert, ist kein Platz für Krankheit. Krank und gebrechlich = alt? So einfach ist die Rechnung nicht immer. Wie geht man damit um, wenn man von heute auf morgen mitten aus dem Alltag gerissen wird? Wenn die Zukunft nur der nächste Tag bedeutet und an das nächste Jahr gar nicht zu denken ist?

Natürlich entbehrt es meiner Vorstellungskraft, wie ich mich in dieser Situation fühlen und verhalten würde, denn zum Glück – und dafür bin ich unendlich dankbar – bin ich gesund. Ich wäre allerdings nicht ich, wenn ich nicht auch eine positive Botschaft aus diesem Film mitgenommen hätte. Genau genommen sogar zwei: 1. Der unbändige Lebenswille der Hauptperson. 2. Der wahnsinnige familiäre Zusammen- und Rückhalt der Familie und der zwei besten Freunde. Man darf niemals den Glauben an sich verlieren, wobei mit Unterstützung der Liebsten alles meist doppelt so gut geht. Daher bin ich dankbar für die Personen, die hinter mir stehen, schon immer gestanden haben. Und schätze jedes Fitzelchen an Alltag, so nervig, anstrengend und traurig er auch manchmal sein mag, ab sofort noch viel mehr.

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