Sunday -thoughts-. Wer hat an der Uhr gedreht  

Zeit
Ein Jahr hat 365 Tage, diese wiederum haben jeweils 24 Stunden, welche sich in 60 einzelne Minuten aufsplitten lassen. Eigentlich ganz einfach und logisch. In der Theorie. In der Praxis jedoch gibt es nach dem Wetter wohl kaum ein anderes Gesprächsthema, was uns so sehr in seinen Bann zieht, uns auf der Zunge brennt, und auf ein erhitztes Erwidern des Gegenüber wartet.

Mal ehrlich: Wie oft habt Ihr Euch schon gewünscht, der Tag hätte mehr als 24 Stunden? An Geburtstagen und Feiertagen geht es mir fast immer so. Auch ein heißer Anwärter auf mehr Zeit: wunderschöne Urlaubstage am Strand, Times Square oder unterm Eiffelturm. Ganz zu schweigen von jedem Wochenende. Und dann gibt es wieder Tage, an denen die Zeit nur so zu schleichen scheint. Ihr vernehmt ein leises Tacken der Uhr hinter Eurem Rücken, versucht hochkonzentriert zu arbeiten, jede einzelne E-Mail gewissenhaft zu beantworten. Schaut nach hinten zur Uhr und traut Euren Augen kaum: Was, erst fünf Minuten vergangen? Das waren doch mindestens zwei Stunden, die Uhr muss kaputt sein! Ich kleines Organisationstalent möchte jederzeit jede einzelne Minute möglichst optimal nutzen und auskosten, Arbeit wie Freizeit gleichermaßen. Doch ständig stoße ich an die Grenzen des Universums, wenn meine eigene Zeitrechnung mal wieder nicht so hinhaut, wie es in meinem Zeitplan detailliert aufgeführt und ausgedacht wurde. Nach der einen E-Mail, die es zu bearbeiten gilt, überrollen plötzlich unzählige flutartig meinen Posteingang und meine Mittagspause über den Haufen. Die Beeren lassen sich doch nicht so schnell putzen, mein Ofen spinnt mal wieder und verdoppelt seine Backzeit. Die Schlange an der Supermarktkasse schlängelt sich wie so oft durch den halben Supermarkt. Hat denn noch niemand etwas vom Einhalten von Zeitplänen gehört?

Ihr seht, es gibt unzählige Stolperstellen im Alltag, die mir – und sicher auch dem ein oder anderen von Euch – einen Strich durch meine Pläne machen und so manches Mal den Wunsch in die Augen reiben, doch bitte nur einziges Mal an der Uhr drehen zu dürfen. Wie oft führt man Gespräche mit seiner besten Freundin, die nur darum kreisen, für welche Aktivitäten man wieder keine Zeit hatte. Man ist gehetzt, gestresst und vom ständigen Gefühl begleitet, irgendetwas zu verpassen. Gerade in einer Großstadt wie Hamburg, in der stets an irgendeiner Ecke die vermutlich heißeste Party des Jahres stattfindet. Sich Groß-Events die Klinke in die Hand geben wie in anderen Städtchen nur Nachbarn. Freunde und Familie bespaßt werden wollen, der Fitnesstrainer einem in den Hinter treten möchte…

So viel zum Thema: Carpe diem! Natürlich versuche ich tagtäglich das Bestmögliche herauszuholen, den Moment zu genießen, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Doch stehen wir uns bei all dem „Carpe-Diem“-Sprüchen nicht ein ganz kleines bisschen selbst im Weg? Dabei steht doch eins fest: Für jeden von uns bedeutet, den Tag zu nutzen, etwas völlig Anderes. Möchte ich ständig Fußball schauen und spielen? Nicht so ganz. Dann lieber schreiben, backen oder kochen. Die Schwierigkeit liegt heutzutage häufig darin, sich aus den tausend, kopfschmerzbereitenden Möglichkeiten die eigenen Rosinen herauszupicken.

Und schlussendlich jene wundervollen Momente zu erleben, in denen die Zeit nebensächlich und stehen zu bleiben scheint. In denen uns die Uhr total egal ist und wir wie in Zeitlupe einfach nur glücklich sind. Genau dafür bin ich gern bereit, diesen ganzen Zeitstress in Kauf zu nehmen.

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