Wiedersehen macht Freu(n)de

memories

Gestern noch habe ich mein Abitur gemacht und heute freue ich mich schon darauf, morgen zu einer Hochzeit zu gehen. Klingt irgendwie komisch, oder? Ja, im trubeligen Alltag, der mich momentan fest in seinen Bann gezogen hat, komme ich nur selten dazu, inne zu halten und nachzudenken. Doch ein besonderes Ereignis, in Vorbereitung dessen ich schon seit Monaten die Tage zähle, darf ich morgen endlich erleben: Die Hochzeit einer lieben Schulfreundin.

Es fühlt sich wirklich eigenartig an, wenn ich mir vor Augen halte, dass mein Schulabschluss wirklich schon sieben Jahre zurückliegen soll. Haben wir nicht erst vorgestern gemeinsam auf der Bühne gestanden, um unsere Abschlusszeugnisse in den Händen zu halten? Bin ich nicht erst gestern von zu Hause ausgezogen? Raus aus der Kleinstadt in die große, weite Welt? Manchmal kommt es mir in der Tat so vor, aber bei jedem Heimatbesuch fällt mir auf, wie wenig ich noch von der alten Heimat kenne. Das Herz wird mir immer aufgehen, wenn ich Dresden betrete – da bin ich mir sicher – aber zu Hause bin ich inzwischen in Hamburg.

Und nun heiratet die erste meiner engsten Freundinnen und beweist damit einmal mehr, dass wir längst keine kleinen Schulmädchen mehr sind. Wow, wir sind wirklich erwachsen geworden! Jede ist ihren Weg gegangen, hat Ausbildung oder Studium absolviert, viele positive, aber auch einige negative Erfahrungen links und rechts ihres Wegs gemeistert. Träumen hintergejagt, darum gekämpft, einige gelebt und andere wieder verworfen. Morgen nun werde ich einige meiner Schulfreunde wiedersehen und es scheint mir fast wie ein Klassentreffen zu werden. Ohne es aktiv zu wollen, war das automatisch ein Startschuss für mein nachdenkliches Gehirn, mich selbst zu reflektieren. Habe ich wirklich den Job gefunden, der mich glücklich macht? Wohne ich in meiner Traumstadt? In meiner Traumwohnung? Mit meinem Traummann?

Gut, das ist jetzt wirklich etwas übertrieben dargestellt, aber Ihr versteht, worauf ich hinaus möchte, oder? Solche Treffen laufen doch häufig auf ein Vergleichen, ein ständiges Kräftemessen “Mein Haus, mein Auto, mein Boot” hinaus. Meins morgen hoffentlich nicht. Nein, so wird es nicht ablaufen! Gemeinsame Erinnerungen schweißen zusammen. Wir sind der lebende Beweis dafür, dass lange Distanzen kein Hindernis für Freundschaften sein müssen. Denn obwohl wir seit Juli 2007 nicht mehr in der selben Stadt wohnen und uns zwischenzeitlich an die 20.000 km voneinander getrennt haben, konnten wir trotzdem nicht voneinander lassen.  Sind wir gefühlt gestern noch als in Bettlaken verkleidete Geister durch die Jugendherberge geflogen, haben später einen gemeinsamen Film als Schulprojekt gedreht, uns über Jungs gezofft und wieder vertragen, feiern wir morgen eben Hochzeit.

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