Home is where your heart is

home

Vergangenes Wochenende stattete ich nach langer Zeit meiner alten Heimat wieder mal einen Besuch ab. Wie fast jedes Mal kommt es mir vor wie eine Zeitreise. Jeden Kilometer, den der Eurocity mehr in Richtung Sachsen düst, scheine ich meinem Alltag zu entfliehen, rein in meine Kindheit, hin zu Erinnerungen und lieb gewonnenen Menschen.

All die Hügel, Felder, Wiesen, die ich früher so häufig erkundet habe – nicht zu vergessen mein geliebtes Dresden. Wahrscheinlich liegt es auch an den nostalgischen tschechischen und ungarischen Zügen, dass mein Herz ein wohliges Gefühl umgibt, ich in Erinnerungen schwelge und das Gefühl habe, in meine Vergangenheit zu fahren. Doch Vergangenheit bedeutet, dass diese Zeit nun mal vergangen und nicht mehr präsent ist.

 

Versteht mich nicht falsch. Ich habe ausschließlich positive Erinnerungen an meine Kindheit und freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind an Weihnachten, wenn ich alte Freunde, Verwandte und vor allem meine Eltern wiedersehe – trotzdem komme ich mir bei jedem Besuch mehr wie ein Gast vor. Natürlich bleibt, auch wenn meine Heimat einen viel provinzielleren Charakter als die Metropole Hamburg hat, auch da die Zeit nicht stehen. Häuser, Landschaften, Städte und vor allem Menschen entwickeln sich weiter. So weit, dass mir manche Ecken schon fremd erscheinen.

 

Meist erkenne ich ziemlich schnell, dass ich die Vorzüge, Stille, Idylle und Friedlichkeit nur allzu gern genieße. Genau eben diese Vorzüge entwickeln sich in meinen Augen jedoch binnen weniger Tage zu Nachteilen. Dann nämlich kommt mir alles viel zu klein und still vor. Ereifern sich Nachbarn, wie hoch der Baum an der Grundstücksgrenze wachsen darf, und wer den Weg von Schutt, Schnee und Laub befreien muss. Spätestens dann freue ich mich wieder auf den Trubel in meiner Großstadt mit all ihren Events, Abenteuern und vor allem einem Verkehrsnetz, das es mir auch am Wochenende ermöglicht, mit U- und S-Bahn zu fahren.

 

Habe ich es am Anfang noch gehasst, zwischen diesen mitunter sehr konträren Welten hin- und herzupendeln und hin- und hergerissen gefühlt, sehe ich nun jeden Besuch als Reise und Kurzurlaub an. Glich anfangs jede Umarmung am Bahnsteig einem Lebwohl für immer, sehe ich jetzt jeden Heimaturlaub als wunderbare Möglichkeit, dem wuseligen Großstadtleben für ein paar Tage zu entkommen und Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen. Zeit, die ziemlich kostbar geworden ist, wenn inzwischen wichtige Entscheidungen per Handy, Geschenke via Skype ausgepackt und Umarmungen virtuell ausgetauscht werden. Nicht mehr und nicht weniger. Sicher hängt es auch damit zusammen, dass ich mich nach dreieinhalb Jahren in Hamburg angekommen und zu Hause fühle und die Sehnsucht nach Schulfreunden, Familie und sächsischer Gemütlichkeit von mal zu mal abnimmt. Wenn allerdings so wie gestern die Sonne mit uns um die Wette strahlt, mich überaus freundliche Kellnerinnen mit sächsischem Dialekt bedienen, flammt sie doch ein klein wenig auf. Und mir kleine Fragezeichen, warum man damals eigentlich gegangen ist. Zum Glück nur kurz, auch dank der heute strahlenden Sonne hier oben im Norden. Was wieder einmal beweist: Die Sonne kann überall strahlen, ihr müsst es nur zulassen!

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s